Rätsel der Wissenschaft

Rätsel der Wissenschaft

Der STANDARD-Podcast über die ungeklärten Fragen der Menschheit

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00:00:05: Die europäischen Leaders

00:00:06: sind gegen den US-Vereinwohner.

00:00:07: nach der White House-Deputy,

00:00:08: Chief von Staff

00:00:09: Stephen Miller, gesagt, Greenland

00:00:11: sei

00:00:12: Teil der United States.

00:00:13: Das Semi-Autonomous

00:00:14: Island ist in

00:00:16: Den Mark und NATO-Naschen für über die

00:00:17: Hundert Jahre.

00:00:19: Wir brauchen Greenland für den Standpunkt der Nationalsekretärin.

00:00:24: Und Den Mark wird nicht möglich

00:00:26: machen.

00:00:42: Ich kann

00:00:43: das tun.

00:00:44: Und ich bin Tanja Traxler.

00:00:46: Wir sprechen jeden zweiten Mittwoch über die ganz großen und ganz kleinen Mysterien in unserem Universum.

00:00:52: Heute geht es bei uns um geschichtsträchtiges Eis, um Rohstoffe und um geopolitische Macht.

00:01:00: Die USA wollen Grönland übernehmen, nicht zum ersten Mal in der Geschichte.

00:01:05: Weshalb war diese große, unwirtliche Insel auch in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder so begehrt?

00:01:12: Grönland ist die größte Insel der Welt.

00:01:15: Ganz so groß wie sie beim Blick auf die meisten Weltkarten wirkt, ist sie allerdings nicht.

00:01:21: Denn da scheint die Fläche von Grönland fast genauso groß wie die von Afrika.

00:01:27: Und das verzerrt das Bild der Realität dann doch ziemlich.

00:01:32: Das liegt einfach geometrisch an der Projektion einer kugelförmigen Erde auf einer zweidimensionalen Karte, wo sich eben nicht alles Maßstabgetreue darstellen lässt.

00:01:44: In Wirklichkeit ist Grünland mit seiner Fläche von ca.

00:01:47: zwei Komma zwei Millionen Quadratkilometern eher mit Mexiko vergleichbar oder sechsmal so groß wie Deutschland.

00:01:55: Das ist immer noch riesig und außerdem ist diese Insel sehr dünn besiedelt.

00:02:01: Da leben nur rund sechsundfünfzigtausend Menschen, also weniger als in St.Polten.

00:02:07: Und obwohl der Name Grünland übersetzt Grünland bedeutet, ist eigentlich sehr wenig Grün auf dieser Insel, das dominiert, weiß.

00:02:16: Vier Fünftel von Grünland sind nämlich mit Eis bedeckt, stellen weiß ich mehrere Kilometer dick.

00:02:22: Es liegt dort der zweitgrößte Eisschild unseres Planeten.

00:02:26: Und die bewohnten Gebiete konzentrieren sich fast ausschließlich auf Küsten, vor allem auf die Westküste, wo das Klima vergleichsweise milder ist und einen Zugang zum Meer bietet.

00:02:38: Das Landeshinnere ist dagegen praktisch unbewohnbar und weitgehend auch unerreichbar, nicht wegen der Kälte allein, sondern eben wegen der Schierenmasse des Eises.

00:02:48: Grönland ist an einer außergewöhnlichen Schnittstelle und das in mehreren Bereichen.

00:02:53: Es liegt geografisch zwischen dem Nordatlantik und dem arktischen Ozean.

00:02:59: Geologisch und geografisch gehört es zu Nordamerika, politisch aber zu Dänemark.

00:03:05: Grönland ist bekanntlich ein autonomer Landesteil von Dänemark.

00:03:10: Seine Lage macht Grönland zu einem natürlichen Verbindungspunkt für arktische Luft- und Seewege, Aber auch natürlich für militärische Routen.

00:03:21: Wer Grönland kontrolliert oder nutzt, bewegt sich in einem Raum, der weit über diese Insel selbst hinausreicht.

00:03:29: Grönland ist eben nicht nur sehr groß und sehr kalt, sondern strategisch gut gelegen.

00:03:35: Es ist aber auch geologisch ein sehr spezielles Terrain.

00:03:38: Unter diesem vielen Eis liegen einige der ältesten Gesteine unseres Planeten.

00:03:43: Andere Teile der Insel wurden durch jüngere geologische Prozesse geformt, wie Gebirgsbildung, Kontinentaldrift und vulkanische Aktivität.

00:03:52: Die spezielle geologische Geschichte von Grönland ist auch der Grund dafür, warum es dort so außergewöhnlich viele Rohstoffe gibt.

00:04:02: Öl, Gas, Edelmetalle, Industriemetalle, seltene Erden.

00:04:07: Vieles davon ist seit Millionen von Jahren in Grönland vorhanden, auch wenn es lange eigentlich nicht zugänglich war und größtenteils nach wie vor nicht ist.

00:04:17: Aber Grönland ist genau wie die gesamte Arktis vom Klimawandel besonders stark betroffen.

00:04:24: Die ganze Region erwärmt sich viel schneller als der Rest der Welt.

00:04:28: Auch der grönländische Eisschild zieht sich immer weiter zurück.

00:04:31: Küstenabschnitte werden länger und breiter, eisfrei und das verändert nicht nur die Ökosysteme der Insel, sondern schafft auch neue Zugänge zum Land, zum Meer und zu den Bodenschätzen.

00:04:45: Und da sind wir auch schon bei den Gründen, warum die USA unter Donald Trump Grönland unbedingt haben wollen.

00:04:52: Neu sind diese Begehrlichkeiten nicht.

00:04:55: Die Insel ist im Laufe der Geschichte immer wieder im Fokus der Weltpolitik gestanden.

00:05:00: Und Übernahmepläne der USA hat es auch schon öfter gegeben.

00:05:04: Vom Interesse an Grönland zeigt auch die nicht ganz unkomplizierte Besiedlungsgeschichte von Grönland.

00:05:12: Die Insel ist seit Jahrtausenden bewohnt.

00:05:15: Und wir sprechen eben heute über diese Geschichte Grönlands.

00:05:19: Wer sind die Menschen, die dort gelebt haben und heute leben?

00:05:23: Warum wurde Grönland dänisch und warum zieht die eisige Insel überhaupt

00:05:28: Menschen

00:05:29: an?

00:05:41: Die ersten Grönländerinnen und Grönländer stammten nicht aus Europa, sondern aus Nordamerika.

00:05:47: Und zwar sind mehrfach Gruppen unterschiedlicher Kulturen eingewandert, die heute als Inuit bezeichnet werden.

00:05:55: Und die erste Inuitkultur kam schon vor fast viertausend Fünfhundert Jahren nach Grönland.

00:06:01: Die entwickelten dort Lebensweisen, die eng an die harsche Umwelt angepasst waren.

00:06:05: Klar, anders wäre es auch nicht möglich gewesen.

00:06:09: Bis europäische Siedler Grönland erreicht haben und sich dort niedergelassen haben, sollte es aber noch eine ganze Weile dauern.

00:06:17: Die Wikinger um Erich den Roten waren circa tausend nach Christus.

00:06:23: die ersten Europäer die Siedlungen im Röhnland errichtet haben.

00:06:27: Im dreizehnten Jahrhundert hat dann das Königreich Norwegen die gründländischen Siedlungen für sich beansprucht.

00:06:33: Die Nachkommen der europäischen Siedler verschwanden aber im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert

00:06:39: spurlos.

00:06:40: Die Inuit-Bevölkerung dagegen blieb dauerhaft präsent, wie der Historiker Markus Gräser von der Universität Linz erzählt.

00:06:47: Röhnland ist nie eine klassische Siedlerkolonie geworden.

00:06:52: Muss man nicht großartig darüber nachdenken, warum?

00:06:55: Das war in der Hinsicht von der Bodenqualität ja natürlich einfach extrem mühsam, dort eine Landwirtschaft aufzubauen.

00:07:01: Und das hat letztlich auch diesen ersten sogenannten Wikinger Besiedlungsversuch wahrscheinlich, das wissen wir nicht so genau, beendet, weil wir ja im Mittelalter die sogenannte kleine Eiszeit haben.

00:07:12: Das bedeutet, die Temperaturen sind so um ein bis zwei Grad gesunken.

00:07:17: Das hört sich jetzt ähnlich auch wie für uns heute mit unter gar nicht so spektakulär an, aber das bedeutet, dass die Sommer kürzer und die Winter länger werden und damit gab es aber einen bestimmten Zeitpunkt nicht mehr genug Spielraum, um eine Ernte einzufahren, um genug zu haben, um über den längeren Winter zu kommen als Personen, aber vor allen Dingen natürlich auch die Tiere, die Nutztiere, die man bei sich hatte.

00:07:41: Also die Frage, wie lang ist der Sommer und wie lang ist der Winter, das ist die entscheidende Frage, ob sich ein Terror für eine Besiedlung eignet.

00:07:50: Und in der Tat war es ohnehin auch immer nur die Westküste Grönlands, das ist bis heute so geblieben, mit Einschluss dessen, was wir so als Südspitze bezeichnen können, die sich überhaupt unter schwierigsten Bedingungen geeignet hat, um menschliche Siedlungen einzurichten.

00:08:07: Sind die Nachfahren der ersten europäischen Siedler auf Gründland also verhungert?

00:08:11: Das wissen wir nicht.

00:08:12: Natürlich kann man sagen, die Leute sind verhungert.

00:08:15: Das ist jährlich eine These.

00:08:16: Aber es gibt auch die These, dass Reste der Bevölkerung quasi in der indigene Bevölkerung sozusagen aufgegangen sind oder aufgefangen wurden.

00:08:27: Es war ja in allen Arealen so, dass ohne einen gewissen Kontakt zur indigenen Bevölkerung des Überleben in den ersten Jahren ausgesprochen schwierig, wenn nicht unmöglich gewesen ist, weil man einfach da das Know-how hatte, wie überlebt man in so einer Ecke, die für Europäerinnen ja zunächst einmal irgendwie mörderisch anmutete.

00:08:46: Also insofern, es hat diese Kontakte gegeben und ich halte das auch in Grönland für durchaus wahrscheinlich das Reste dieser ersten europäischen Besiedlung.

00:08:55: quasi ein Stück der indigene Bevölkerung dann hineingegangen sind und dort, wir kennen das eben auch von den Native Americans, die haben im Grunde so Adoptionspraktiken gehabt, um Leute aufzunehmen, die eigentlich nicht zu ihrer Gruppe gehört haben.

00:09:09: Vermute, dass das auch in Grönland minimal passiert ist, aber wir wissen es nicht.

00:09:14: Ab dem achtzenden Jahrhundert hat dann eine neuerliche Besiedlung aus Europa begonnen und diesmal unter dänischer Flagge.

00:09:21: Norwegen war inzwischen von Kopenhagen aus regiert und Dänemark berief sich in Grönland auf die mittelalterlichen norwegischen Herrschaftsansprüche.

00:09:32: Grönland wurde nun zur Kolonie des Königreichs Dänemark.

00:09:36: Die Besiedlung aus Europa blieb aber spärlich eben aus den schon erwähnten schwierigen Lebensbedingungen.

00:09:44: Das führte zu einer eigentlich außergewöhnlichen Konstellation.

00:09:48: Grönland wurde zwar kolonial beherrscht von Dänemark, aber nie umfassend europäisch besiedelt.

00:09:54: Die indigene Bevölkerung blieb stets die Mehrheit, sagt der Historiker Markus Gräser.

00:10:00: Die heutigen Grönländerinnen sind, man könnte sagen, eine ziemlich bunte Truppe.

00:10:05: Also wir haben natürlich zunächst einmal die Inuit.

00:10:10: Das heißt eine Bevölkerung, die wir als Indigene bezeichnen und die, sagen wir mal, Teil der größeren nordamerikanischen indigenen Bevölkerung sind.

00:10:21: Das heißt, sie sind in mehreren Etappen über die Behringstraße zugewandert und haben dann in mehreren Etappen.

00:10:31: Grönland erreicht.

00:10:33: Wir haben also hier eigentlich eine zweifache von zwei Seiten kommende Siedlungsbewegung, die indigene Bevölkerung von der Seite dann auch des späteren Kanadas.

00:10:42: Und wir haben aber natürlich in ebenfalls mehreren Wellen europäische, vor allen Dingen skandinavische Besiedler.

00:10:49: Und die heutige Bevölkerung von Grönland ist natürlich das Ergebnis der Interaktion dieser beiden Bevölkerungsströme.

00:10:58: Das heißt, wir haben davon abgesehen, aber natürlich auch auf Grönland Leute, die ausschließlich einen dänischen Background haben, sich aber trotzdem als Grönländerinnen verstehen.

00:11:09: Also wir haben eigentlich einen ethnischen Pluralismus wie letztlich in allen Kolonien oder ehemaligen Kolonien.

00:11:16: Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was hat denn das eisige und unwirtliche Grönland für Dänemark überhaupt so interessant gemacht?

00:11:24: Es waren vor allem geopolitische und wirtschaftliche Interessen, wenn auch ganz andere als heute.

00:11:30: Dänemark arbeitete sehr aktiv daran, seinen Herrschaftsbereich auszuweiten und Kolonien für sich zu beanspruchen.

00:11:37: Von den skandinavischen Ländern war Dänemark da sicherlich das aktivste Land.

00:11:42: Bis in den letzten Jahren hatte Dänemark sogar in der Karibik eine Kolonie, nämlich Dänisch-West Indien.

00:11:48: An Grönland hatte Kopenhagen auch handfeste wirtschaftliche Interessen, denn vor allem an der Westküste der Insel lebten einst sehr große Walrosspopulationen.

00:11:58: Und die markanten Stoßzähne dieser Tiere machten sie zum Ziel von Jagd und Export.

00:12:04: Die Walrosszähne waren einmal fast so begehrt wie Elfenbeilen in Europa.

00:12:08: Und auch das Fett der Tiere und anderer Robben wurde im großen Stil gehandelt.

00:12:13: Ansonsten war der Ausbeutung und Besiedlung Grönlands, aber, wie wir schon erwähnt haben, durch die haschen Umweltbedingungen enge Grenzen gesetzt.

00:12:22: Das ist auch bis heute so.

00:12:24: Bis ins XIX.

00:12:25: Jahrhundert bleibt Grönland eine eher europäische Angelegenheit.

00:12:30: Dänemark beansprucht die Insel für sich, verwaltet sie kolonial, aber mit wenig Präsenz vor Ort.

00:12:38: Das erinnert sich erst, als die USA beginnen, ihren Blick systematisch auf den gesamten amerikanischen Raum zu richten.

00:12:46: Und aus der amerikanischen Perspektive liegt Grönland nicht irgendwo im hohen Norden.

00:12:52: Geografisch gehört die Insel zu Nordamerika.

00:12:56: Sie liegt auf derselben tektronischen Platte wie Kanada und sie ragt weit in den Nordatlantik hinein.

00:13:04: Genau dort, wo sich die Verbindungen zwischen Europa und Amerika kreuzen.

00:13:09: Eine neue geopolitische Grundidee legte im Jahr eighteenhundertdreiundzwanzig der fünfte Präsident der Vereinigten Staaten in einer Rede dar.

00:13:18: Das war James Monroe.

00:13:19: Der amerikanische Doppelkontinent solle vollkommen unabhängig von den europäischen Mächten sein, also auch frei von europäischer Kolonialherrschaft.

00:13:29: Diese Vorstellung ging in die Geschichte als Monroedoktorin ein.

00:13:33: Die Interessen waren im neunzehnten Jahrhundert tatsächlich ausgerichtet auf eine Kontrolle der Hemisphäre, die man sich eigentlich als geopolitischen Raum in den USA zugebildigt hat.

00:13:48: Diese Doktrin oder das, was Monroe damals gesagt hat, ist allerdings, da muss man immer wieder darauf hinweisen, weil.

00:13:54: der Begriff Monroe-Doktrin wird heute automatisch mit so einer gewissen Aggressivität vorgetragen.

00:14:00: Burmaun Rowe und die politische Öffentlichkeit in den USA war das damals ein defensiver Vorgang, weil die USA, eighteenhundertdreiundzwanzig weit davon entfernt waren, eine Weltmacht zu sein.

00:14:13: Und es hat in Europa auch niemand eine schlaflose Nacht gehabt, nur weil der amerikanische Präsident eine Doktrin verkündet hat.

00:14:20: Was die Amerikaner wollten, war eigentlich nur klarstellen, dass man in diesem amerikanischen Kontinent keine europäische Colonisation mehr akzeptieren werde.

00:14:32: Es ist zunächst einmal, man könnte sagen, eine sehr vorsichtige defensive Haltung, denn die Amerikaner wären damals überhaupt nicht in der Lage gewesen, sich gegen die großen europäischen Player vor allen Dingen gegenüber Großbritannien durchzuletzen.

00:14:45: Also das wird eigentlich erst zu einer, man könnte sagen, dominanten Position mit dem Wachstum der USA und mit der Stellung als Weltmacht, die die USA, sagen wir mal, um nineteenhundert erreicht haben.

00:14:59: Und dann gibt es dann auch bei Teddy Roosevelt eine sehr offensive Deutung dieser Monrodoctrin.

00:15:06: Aber dann, was die Amerikaner gemacht haben, in neunzehnten Jahrhundert zur Arondierung ihres eigenen Terras und zum Zurückdrängen der Europäer ist natürlich vor allen Dingen der Kauf von Alaska.

00:15:28: Und im Gefolge dieses Alaska-Kaufes kommt dann auch die Idee auf, man könne doch auch auf der anderen Seite diesen anderen europäischen Akteur, auch wenn es sich nur um einen kleinen gehandelt hat, nämlich Dänemark hier, aus der nordamerikanischen Hemisphäre heraus befördern.

00:15:46: Aber das ist damals nicht gelungen.

00:15:48: Zu

00:15:48: diesem Verkauf Grünland ist es nicht gekommen.

00:15:51: Allerdings haben die USA, die vorhin kurz erwähnte Dänische Kolonie in der Karibik, Dänisch-West Indien erworben.

00:15:59: Das sind die heutigen amerikanischen Jungfern Inseln.

00:16:02: Das ist nun ein Außengebiet der USA, aber das ist nur am Rande erwähnt, können wir zurück nach Grünland.

00:16:09: Ja, Grünland bleibt also Dänisch, aber es hat sich trotzdem etwas verändert im neunzehnten Jahrhundert.

00:16:15: Die Relevanz der Insel ist nämlich jetzt dauerhaft im amerikanischen Denken verankert.

00:16:20: Der Moment, in dem Grönland dann tatsächlich wichtig wird, weltpolitisch, kommt im zwanzigsten Jahrhundert, nicht durch Kauf- oder Annexion, sondern durch den Zweiten Weltkrieg.

00:16:32: Im April nineteenhundertvierzig besetzt die deutsche Wehrmacht Dänemark und innerhalb weniger Tage ist die dänische Regierung handlungsunfähig.

00:16:42: Für Grönland bedeutet das eine Situation, die es in dieser Form zuvor nicht gegeben hat.

00:16:48: Die formale Kolonialmacht ist abgeschnitten.

00:16:52: Für die USA entsteht damit ein akutes sicherheitspolitisches Problem.

00:16:56: Grönland ist ein entscheidender Faktor für die militärische Kontrolle des Nordatlantiks.

00:17:01: Die Insel liegt, wir haben es schon gesagt, an einer strategisch sensiblen Stelle zwischen Nordamerika und Europa, nahe an möglichen Luft- und Seerouten.

00:17:10: vor allem auch gut geeignet für Wetterstationen, aus denen sich auch Wetterprognosen für Europa erstellen lassen.

00:17:16: Und es ist ein logischer, logistischer Knotenpunkt in einem industriellen Krieg.

00:17:21: Wenn die Deutsche Wehrmacht die Hand an Grönland legen könnte, würde sie natürlich den gesamten Nordatlantik kontrollieren können.

00:17:30: Und das bedeutete natürlich gravierende Einschränkungen erst für den Schiffsverkehr zwischen USA und London.

00:17:36: oder Großbritannien.

00:17:38: Und dann ab nineteenhundertundvierzig ist das ja auch enorm wichtig, weil die Geleitzüge nach Murmansk zwischen Island und Grönland herumfahren, weil das die einzige Lifeline war, die die kämpfende Sowjetunion mit den Westalliierten verbunden hat.

00:17:54: Also das war eine für den Ausgang des Krieges enorm wichtige Voraussetzung, dass man den Nordatlantik kontrollieren kann.

00:18:05: Die Lösung dieses Problems ist ziemlich bemerkenswert.

00:18:08: Es gibt keine Invasion oder eine formelle Annexion.

00:18:12: Stattdessen handeln die USA auf der Basis eines Abkommens mit dem dänischen Gesandten in Washington, der sich zum Vertreter des freien Dänemarks erklärt, nachdem sein Land unter deutscher Besatzung steht.

00:18:27: Auf seine Bitte wird Grönland unter amerikanischen Schutz

00:18:31: gestellt.

00:18:32: Während des Krieges errichten dann die USA und auch Kanada tatsächlich eine Reihe von militärischen Stützpunkten auf Grönland, Flugfelder, Wetterstationen, Versorgungsinfrastruktur.

00:18:43: Grönland wird Teil der alliierten Kriegslogistik.

00:18:48: Die Insel spielt dann auch eine wichtige Rolle bei den Vorbereitungen auf den D-Day.

00:18:52: Die grönländischen Wetterstationen liefern nämlich präzise Vorhersagen für die Planung der Landung der Alliierten in der Normandie.

00:19:00: Die militärische Bedeutung Grönlands endet aber klarerweise nicht mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

00:19:07: Damit ist Grönland im Fokus und dann beginnt relativ schnell der kalte Krieg.

00:19:13: Das heißt, aus dem ehemaligen Alliierten Sowjetunion wird der große Gegner und damit hat Grönland und der gesamte arktische Raum schon wieder eine große Bedeutung.

00:19:25: Und es ist ja dann, wenn man so will, der erste Deal mit Dänemark, dass man sagt, okay, also wir können es nicht kaufen.

00:19:30: Aber Dänemark lässt sich ja darauf ein, diese amerikanische Militärbasis in Thule zuzulassen, die in der Hochzeit des Kalten Krieges deutlich mehr amerikanische Soldaten aufwiesen als das heute der Fall ist.

00:19:42: Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es aber auch schon bald den nächsten Kaufversuch, diesmal unter Präsident Harold Roman.

00:19:50: Die USA bieten Dänemark hundert Millionen US-Dollar in Form von Gold, was eine bemerkenswerte Summe war für ein kleines europäisches Land wie Dänemark.

00:20:01: Doch wieder sagt Kuppenhagen, nein.

00:20:04: Das kandinavische Land ist aber ein enger verbündeter der USA.

00:20:09: Klar ist, dass es ein Gegenangebot braucht, und so schließen Dänemark und die USA in den letzten Jahren ein Verteidigungsabkommen, das bis heute gültig ist.

00:20:20: Die bekannteste US-Einrichtung auf Grönland ist die Basis in Thule, heute Peterfix Base Base genannt.

00:20:28: Sie wird zu einem zentralen Bestandteil der amerikanischen Raketenfrühwarnung.

00:20:33: Lea sind die USA aber nicht ausgegangen.

00:20:36: Das Verteidigungsabkommen von oneinzehn-einundfünfzig sichert ihnen nämlich große militärische Freiheiten auf Grönland zu und es gilt bis heute.

00:20:46: Wenn die Amerikaner argumentieren würden, die Dänen tun zu wenig, um diesen wichtiger werdenden Teil des Nordatlantischen Raumes zu schützen und militärisch zu organisieren, dann könnten die Amerikaner auf der Basis ihrer Vereinbarungen tatsächlich jede Menge machen.

00:21:05: Ich meine, diese Vereinbarung betrifft aber natürlich nur eine verteidigungspolitische Seite.

00:21:10: Es geht dabei nicht um Bodenschätze.

00:21:13: Und es geht auch nicht um eine übergreifende Kontrolle der möglichen Schifffahrtswege, die durch den Klimawandel, ja tatsächlich immer, ja das ist immer noch nicht leicht, aber es wird immer leichter.

00:21:26: Nordwestpassage, Nordostpassage, wichtige Verbindungen hier in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten wirklich zum Laufen zu bringen oder die Schifffahrtswege zu verbessern.

00:21:37: Und all das ist natürlich mit einem Abkommen von oneinundfünfzig, wo man an Bodenschätze gar nicht gedacht hat, weil da kam er nicht ran.

00:21:44: Das hat sich inzwischen geändert.

00:21:47: Grönlands Bodenschätze und die Kontrolle neuer Schiffsrouten im arktischen Raum in Zeiten des Klimawandels stehen heute immer mehr im Fokus.

00:22:06: Grünland verfügt über eine außergewöhnliche Palette an Bodenschätzen.

00:22:10: Es gibt große Vorkommen von seltenen Erden, Gas und Öl in raun Mengen, Grafit, Uran, Gold und Industrimetalle, auch Diamanten.

00:22:21: Wie schon erwähnt liegt das an der komplexen geologischen Geschichte der Insel.

00:22:26: Über hunderte Millionen Jahre wirkten dort nahezu alle wichtigen geologischen Prozesse zusammen.

00:22:34: Sehr alte Gesteiner trafen auf Gebirgsbildung kontinental trifft bei der Öffnung des Atlantik sowie intensive vulkanische Aktivität.

00:22:45: Es ist aber bis heute so, dass diese Rohstoffe nur sehr schwer nutzbar sind.

00:22:50: Die extremen klimatischen Bedingungen, eine fehlende Infrastruktur und sehr hohe Kosten sind die Ursachen dafür.

00:22:58: Auch die Umwelt- und Gesundheitsrisiken bremsen den Abbau.

00:23:02: Frühere Versuche gab es immer wieder, zum Beispiel zur Ölforderung, sind aber gescheitert.

00:23:08: Auch bei Bergbauprojekten wurden schließlich aus politischen und ökologischen Gründen enge Grenzen gesetzt, etwa wegen möglicher Uranbelastung.

00:23:17: Langfristig dürfte der Klimawandel aber für immer mehr eisfreie Gebiete sorgen und damit auch Bodenschätze zugänglicher machen.

00:23:25: Wer bestimmt denn heute überhaupt, welche Ressourcen in Grünland ausgebeutet werden dürfen?

00:23:30: Nicht Dänemark.

00:23:31: Seit dem Selbstverwaltungsgesetz von Jahrhundert und Jahrhundert liegt die Zuständigkeit für Rohstoffe, Bergbau und Energie vollständig bei Grünland selbst.

00:23:41: Grünland ist inzwischen in den meisten Fragen selbst bestimmt.

00:23:45: Der Weg dorthin war aber lang und auch grausam.

00:23:49: Werfen wir noch mal einen Blick zurück.

00:23:57: Und was auf den ersten Blick nach einer Verbesserung und nach Gleichberechtigung für die Grön-Länderinnen und Grön-Länder klingt, bewirkt paradoxerweise zunächst ganz etwas anderes.

00:24:10: Bisher hat man sich in Kopenhagen für die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel kaum interessiert.

00:24:16: Doch das ändert sich jetzt mit schwerwiegenden Folgen.

00:24:19: In

00:24:20: der Nähe von Dänemark ist der Schritt erfolgt, Weg von der Kolonie hin zum Festland oder zum Teil des Dänischen Territoriums.

00:24:29: Aber die paradoxe Bewegung ist erst in diesem Moment beginnt Dänemark eigentlich mit einer massiven Einflussnahme auf die grönländische Bevölkerung.

00:24:39: Dann entstehen all diese Dinge für die sich Dänemark inzwischen entschuldigt hat.

00:24:44: Das heißt, man hat ja versucht Siedlungsstrukturen aufzubrechen.

00:24:49: Geschichten, dass man die Vorstellung in Dänemark hatte, die Grönländerinnen vermehren sich zu intensiv.

00:24:56: Das heißt, man hat ja dann bei Mädchen und Frauen für Hütungsspiralen eingesetzt.

00:25:00: Man hat versucht.

00:25:01: Kinder wegzunehmen, auch nach Dänemark zu bringen, um sie zu ordentlichen Dänen und Dänen und so weiter zu erziehen.

00:25:08: Also diese formelle Abkehr vom Kolonialstatus bedeutete ja nicht, dass man Grönländerinnen und Grönländer auf Augenhöhe betrachtet hat, sondern jetzt ging es eigentlich erst wirklich los mit einer massiven Assimilationspolitik.

00:25:22: Gleichzeitig wachsen auch die Autonomiebestrebungen in Grönland immer weiter.

00:25:27: Neunzehnhundertneunundsebzig wird nach einem Referendum eine Selbstverwaltung in vielen Bereichen eingeführt.

00:25:33: Grünland erhält ein eigenes Parlament und kann nun über einige Politikbereiche selbst entscheiden, zum Beispiel Bildungs- und Gesundheitspolitik.

00:25:43: Der große Meilenstein erfolgt dann aber Zwei-Tausendneun mit dem Selbstverwaltungsgesetz, das Grünland weitgehende Autonomie ermöglicht.

00:25:51: bis auf wenige Ausnahmen, nur noch Außenpolitik, Verteidigung und die Währungspolitik verbleiben bei Kopenhagen.

00:25:58: Eine völlige Eigenständigkeit ist aber eher unrealistisch meint Markus Gräser.

00:26:03: Weil, wie gesagt, wir reden über fünfzigtausend Leute, da ist die Frage der wirklichen Autonomie immer ein bisschen relativ.

00:26:10: Weil eines ist natürlich auch klar, die Zahl kennen Sie sicherlich auch, Dänemark zahlt Jahr für Jahr fünfhundert Millionen Euro.

00:26:18: damit Grönland am Laufen gehalten werden kann, weil es natürlich nach wie vor in Grönland, wenn man so will, keine eigenständige wirtschaftliche Basis gibt.

00:26:26: Ja, es ist ein Zuschussladen.

00:26:29: Teil der EU ist Grönland übrigens nicht.

00:26:32: Es ist zwar zunächst über Dänemark Teil der europäischen Gemeinschaft, hat sich aber dann doch, Ninze und Fünfund Achtzig per Volksabstimmung dazu entschieden, wieder auszutreten.

00:26:44: Ausschlaggebend war vor allem der Konflikt über Fischereirechte, die für Grönlands Wirtschaft von zentraler Bedeutung sind.

00:26:53: Aus grönländischer Sicht fühlte man sich in der damals IG nicht ausreichend repräsentiert, da einige Interessen gegenüber größeren Mitgliedstaaten zurückzustehen drohten.

00:27:06: Ja und obwohl eine wirtschaftliche Basis und auch die verteidigungspolitische Logik eine richtige Unabhängigkeit von Grönland sehr, sehr schwierig erscheinen lassen, war genau das doch lange Zeit das Ziel vieler Grönländerinnen und Grönländer und auch einiger politischer Parteien dort.

00:27:24: Die jüngsten Forderungen und auch Drohungen von Donald Trump haben aber wohl eine Gegendreaktion ausgelöst, meinte Historiker Markus Gräser.

00:27:38: ist Grönland tatsächlich wieder näher an Kuppenhagen gerückt, weil man natürlich das Gefühl hat, dass es klarerweise eine Unverschämtheit ist, dass irgendwer glaubt, über das eigene Schicksal bestimmen zu können.

00:27:52: Das sollten die Grönländerinnen und Grönländer für sich selber entscheiden.

00:27:55: Wenn man sich also die Geschichte von Grönland ansieht, dann zeigt sich, wie sich die Bedeutung der Insel immer wieder sehr stark verändert hat.

00:28:04: Einmal war es das Klima, das Siedlungen unmöglich macht oder dann wieder möglich.

00:28:09: Ein anderes Mal waren es globale Konflikte, die die Lage der Insel strategisch aufgeladen haben.

00:28:16: Und heute sind es vor allem die Rohstoffe, neue Verkehrswege, Und auch der Klimawandel, die Grönland erneut in den Fokus rücken.

00:28:25: Dabei ist auch noch ein anderes Muster zu erkennen.

00:28:28: Grönland ist eigentlich nie wegen seiner rechtlichen Zugehörigkeit wichtig gewesen.

00:28:34: Entscheidend waren immer der Zugang und die Kontrolle über diesen Raum.

00:28:38: Da zeigt sich, warum Grönland im Zweiten Weltkrieg unverzichtbar wurde, warum es im kalten Krieg eine Schlüsselrolle spielte und warum auch heute dauernd wieder über diese Insel gesprochen wird.

00:28:48: auf eine Art und Weise, die ihr nach Machtpolitik des neunzehnten Jahrhunderts klingt.

00:28:53: Für heute sagen wir Danke fürs Zuhören.

00:28:55: Und wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid bei Rätsel der Wissenschaft.

00:29:00: Jeden zweiten Mittwoch überall, wo es Podcast gibt.

00:29:03: Ich bin David Renner.

00:29:04: Und ich bin Tanja Traxler.

00:29:06: Diese Folge wurde von Christoph Neu wird produziert.

00:29:08: Bis zum nächsten

00:29:09: Mal.

00:29:10: Bis

00:29:30: dann.