Der STANDARD-Podcast über die ungeklärten Fragen der Menschheit
00:00:04: Dieser Podcast ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.
00:00:12: Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Standard Willkommen bei Inside Science, einer Spezialausgabe des Standard-Podcasts Rätsel der Wissenschaft.
00:00:53: Ich bin David Renert
00:00:54: und ich bin Tanja Traxler.
00:00:56: Wir beschäftigen uns jeden zweiten Mittwoch mit den ganz kleinen und ganz großen Mysterien in unserem Universum.
00:01:04: Heute sprechen wir über ein Jahrtausende altes Archiv das gerade verschwindet.
00:01:10: Was verrät das Eis der Alpen über das Klima?
00:01:13: Über unsere eigene Geschichte und die Zukunft?
00:01:18: In den Öztaler Alpen an der Grenze zwischen Österreich und Italien liegt ein Gletscher, der für die Wissenschaft besonders interessant ist.
00:01:26: Auf der Weisssee-Spitze – einem Berg auf knapp drei tausend fünfhundert Metern Höhe haben Forschende einen Eisbohrkern untersucht, der sechstausend Jahre Umweltgeschichte enthält.
00:01:39: Solche Eisbohnkerne funktionieren wie natürliche Archive.
00:01:44: Schicht für Schicht lagert sich über Jahrtausende Schnee ab, wird zu Eis und konserviert dabei Spuren aus der Atmosphäre.
00:01:53: Solche Archive können erstaunlich viele Informationen speichern – zum Beispiel Staub aus das Ahara oder Pollen aus der Vegetation der Umgebung, Rückstände von Waldbränden und sogar spuren menschlicher Aktivitäten!
00:02:07: etwa von Bergbau oder Metallverarbeitung.
00:02:10: Genau solche Signale hat ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung jetzt im Eis der Weißseespitze analysiert, die Ergebnisse erlauben viele und sehr erstaunliche Blicke zurück in die Vergangenheit – noch zumindest!
00:02:36: Dort hat sich das Eis seit Jahrzehnteinzehn halbiert.
00:02:40: Die Jüngsten etwa dreihundertseptzig Jahre der Geschichte fehlen bereits in diesem Archiv, weil das entsprechende Eis schon geschmolzen ist.
00:02:50: Wir sprechen heute darüber was Forschende aus dem noch vorhandenen Eis lernen können Wie man überhaupt Informationen aus einem sechstausend jahrelten Klimaarchiv entschlüsseln kann und Warum diese schwindenden Archive gerade jetzt so wichtig sind und wie sie uns dabei helfen können, zu verstehen, wie sich Klima- und Umwelt auch in Zukunft verändern werden.
00:03:11: Eisbaukerne kennt man vor allem aus der Antarktis oder aus Grönland – dort sind die Eisschichten oft viele hundert oder sogar tausende Meter dick und können Klima und Umweltgeschichte über sehr lange Zeiträume speichern.
00:03:25: In den Alpen ist das anders.
00:03:27: Die Gletscher sind kleiner, oft wärmer und stärker in Bewegung.
00:03:32: Lange Zeit ging man deshalb davon aus, dass sich hier kaum stabile Eisarchive finden
00:03:37: lassen.".
00:03:45: Und gerade darum ist die Weißiehspitze in den Ostalpen für die Forschung so interessant – denn dieser Gletschern zwischen Tirol- und Südtirol erfüllt Bedingungen, die in den Ostalpen eher selten sind!
00:03:59: Das Eis liegt dort relativ stabil auf dem Gipfel und wird wenig durchmischt.
00:04:04: So kann es auch über lange Zeiträume hinweg Schichten aufbauen, die sich später eben noch analysieren lassen, sagt Andrea Fischer.
00:04:12: Andrea Fisher ist Glaciologin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und zählt zu den führenden Gletscherforschern dieses Landes.
00:04:21: Sie war auch maßgeblich an der aktuellen Untersuchung des Eisbauerkerns von der weiße Spitze
00:04:25: beteiligt.".
00:04:27: Eisbaukerne brauchen altes Eis.
00:04:30: Altes Eis kann sich in den Ostalben nur dort bilden, wo das Eis am Untergrund angefroren ist und sehr spezielle Verhältnisse herrschen.
00:04:39: Das ist das große Glück von der Weißsee-Spitze.
00:04:41: Es ist zwar nicht der höchste Berg Österreichs sondern doch um mehr als dreihundert Meter tiefer gelegen auf dreitausend fünfhundert Metern.
00:04:49: aber es ist diese sehr schöne und gleichmäßige Form die die Weißseespitze besonders geeignet macht für Untersuchungen an Eisbohrkernen.
00:04:59: Dort gibt es auch über die Jahrtausende keinerlei Deformation, weil das also einfach sehr flach auf diesem Gipfel
00:05:06: draufliegt.".
00:05:07: Diese Kombination aus Lage und Bedingungen macht die weiße Spitze also zu einem seltenen Fall in den Ostalben – und für die Forschung ist das ein Glück!
00:05:17: Im Jahr twohundneinzehn hat ein internationales Forschungsteam dort einen Eisbohnkern entnommen der bis zum Felsuntergrund reicht.
00:05:26: In diesem Eis steckt eine erstaunlich lange Zeitspanne.
00:05:31: Sechstausend Jahre Umweltgeschichte komprimiert auf nur rund zehn Meter, doch was ist darin so zu finden?
00:05:40: Wenn Forschende einen Eisbockern auswerten dann sehen sie eigentlich die Abfolge von Ereignissen.
00:05:47: Jede Schicht im Eis steht für eine bestimmte Zeit und enthält Spuren davon, was damals zu dieser Zeit in der Atmosphäre passiert ist.
00:05:55: Die eigentliche Herausforderung ist deshalb nicht etwas zu finden sondern eher die vielen einzelnen Signale richtig zu datieren, zuzuordnen, zu interpretieren und eben in einen Zusammenhang zu
00:06:07: bringen.".
00:06:07: Denn diese Spuren sind oft sehr subtil.
00:06:10: Es geht um winzige Partikel, um chemische Rückstände und um minimale Veränderungen in der Zusammensetzung.
00:06:19: Erst durch aufwendige Analysen im Labor wird daraus ein Bild von Wetterlagen, von Umweltbedingungen und auch von menschlichen Aktivitäten die sich über große Distanzen hinweg in der Atmosphäre verbreiten.
00:06:33: Das Eisweiß, alles was die luftweißsämtliche Stoffe mit dem Wind transportiert werden lagen sich dort am Schnee im Eis an.
00:06:45: Und das ist ziemlich viel.
00:06:47: Das sind Rückstände aus Bergbauaktivitäten, aus Waldbranden – sei es natürlicher Waldbrände als auch Rodungsaktivität des Menschen.
00:06:56: Da sind Polen die mit der Luft transportiert werden und so bekommt man Rückschlüsse Auf zum Beispiel die Häufigkeit von Saharastaugeeignissen damit auf die Witterungssysteme, auf die Aktivitäten des Menschen, sofern sie eben mit Verbrennungsdätigkeiten in Zusammenhang stehen.
00:07:18: Auf die Landnutzung, die ja wieder Einfluss hat auf die transportierten Polen Und natürlich dann auch auf das Klima, weil ja das Eis selbst klimagesteuert ist.
00:07:29: Die Schmelze steuert sich über die Sommertemperatur und wie viel Schnee überhaupt dort liegt über das Niederschlagsdargebot in Form von Schnee.
00:07:38: So können wir sehr viel über das Klimat und über den Menschen und die Ökosysteme lernen!
00:07:44: Im untersuchten Eisbarkehren von der Weißseespitze haben die Forschenden genau solche Spuren analysiert und konnten dabei insgesamt achtzehn verschiedene Signale sowie organische Säuren und andere chemische Marker nachweisen.
00:07:59: Diese Stoffe helfen dabei, natürliche Einflüsse von menschlichen Aktivitäten zu unterscheiden und damit auch ein immer genaueres Bild der Umweltgeschichte zu rekonstruieren.
00:08:11: Bevor man diese Signale aber interpretieren kann, muss man zuerst klären aus welcher Zeit die jeweiligen
00:08:17: Eisschichten stammen.
00:08:19: Und dafür müssen
00:08:20: Forschende verschiedene Datierungsmethoden kombinieren und forensische Detektivarbeit leisten.
00:08:28: Es ist ein wenig kriminalistisch weil wir hier auch sehr viele verschiedene Methoden verwenden müssen.
00:08:34: Die Radiokarbonmethode, die zum Beispiel auch verwendet wurde um den Zeitpunkt des Todes von Ötze zu bestimmen ist die traditionelle Methode der Wahl.
00:08:46: Hier verwendete man Kohlenstoffisotope, die zerfallen und je nachdem wie viel dieses radioaktiven Kohlenstoff noch vorhanden ist kann man sich das Alter ausrechnen.
00:08:57: Das funktioniert nur wenn genügend organische Rückstände Was im Eis mit dieser Mikroradiokarbon Methode ab fünf Mikrogramm gegeben ist.
00:09:09: Also das funktioniert sehr gut!
00:09:12: Kohlstoff allerdings funktioniert als Stoff nicht so gut für die letzten Jahrhunderte.
00:09:19: Deswegen haben wir dort etwas anderes verwendet, nämlich die neu entwickelte Argonmethode.
00:09:25: Dabei wird das Argon aus der Luft analysiert – die Luftbläschen im Eis für den obersten Meter um dort das Alter zu datieren und so stückelt man sich den Eisbohrkern ein Stück für Stück aus diesen verschiedenen Methoden zusammen, dazwischen untersucht man auch noch die Bleivorkommen.
00:09:44: Atrizium ist ein guter Zeiger weil er die menschliche Aktivität im Sinne von Tonpompen-Tests schön darstellt.
00:09:53: hier kann man also sofort einmal sagen ob eine Oberfläche vor oder nach etwa nineteenhundertvierzig er sich gebildet hat
00:10:02: Weil Andrea Fischer auch Ötzi, die berühmteste Eis-Mumier der Welt erwähnt hat.
00:10:08: Der Tote aus dem Eis wurde nur gut zehn Kilometer Luftlinie von der weiße Spitze entfernt gefunden.
00:10:15: Die Spuren im Eisbohrkern bilden also auch die atmosphärische Situation seiner Lebenszeit ab
00:10:22: Und der Einfluss des Menschen auf die Umwelt ist auch schon zu Lebzeiten Ötsis gut erkennbar und nimmt immer mehr zu.
00:10:29: Wenn man den Eisborkern von unten nach oben betrachtet, wird sichtbar wie er mit der Zeit immer stärker die Umwelt verändert.
00:10:37: Während in älteren Schichten vor allem natürliche Signale dominieren tauchen in jüngeren Schichten immer häufiger Spuren menschliche Aktivität auf.
00:10:47: Besonders deutlich lässt sich das an bestimmten Metallen erkennen wie zum Beispiel Blei, Asen, Kupfer oder Silber.
00:10:55: die können Hinweise auf Bergbau und Metallverarbeitung liefern.
00:11:00: Wenn ihre Konzentrationen im Eis ansteigen ist das oft ein Zeichen dafür dass in einer bestimmten Epoche intensiv Bergbau betrieben wurde.
00:11:09: Der Einfluss des Menschen wird immer größer.
00:11:11: Also je weiter man nach oben kommt, im Eisbalken also je näher nach heute und deutlich größer wird der Einfluß des Menschen auch im Sinne der Stoffe die dort abgelagert sind mit der Industrialisierung obwohl natürlich auch die römerzeitlichen und mittealterlichen Aktivitäten, Rudungsaktivitäten Bergbau-Aktivitäten in Kern abgebildet sind.
00:11:34: Die auffälligsten historischen Anstiege dieser Spuren finden sich eben in der Römerzeit und so darf man mit Sicherheit annehmen, noch viel stärker mit dem Beginn der Industrialisierung im achzehnten Jahrhundert.
00:11:47: Das entsprechende Eis aus der Zeit der industriellen Revolution ist allerdings auf der weiße Spitze schon abgeschmolzen – wofür ja ebenfalls menschliche Aktivitäten verantwortlich sind?
00:11:59: Der aktuell untersuchte Eisbarkehren reicht nämlich nur bis dreihundertsiebzig Jahre vor heute.
00:12:05: Zum Glück wurden Proben dieser obersten Schichten rechtzeitig vor dem Abschmelzen genommen und lagern heute in verschiedenen Tiefkühlräumen europäischer Forschungseinrichtungen, sagt Andrea Fischer.
00:12:18: Aber alles Eis lässt sich nicht konservieren – und mit dem dramatischen Gletscher-Schwund gehen auch diese Umweltarchive verloren!
00:12:26: Die Folgen sind schwerwiegender, als man vielleicht denken würde.
00:12:30: Hier kann man philosophisch sagen wir sind dabei unsere eigene Geschichte zu verlieren.
00:12:37: das trifft in vielerlei Hinsicht so.
00:12:39: auch im Zuge der Digitalisierung beklagene Historiker diesen Verlust an Geschichte weil von uns eigentlich nichts mehr überbleiben wird, wenn alle Festplatten gelöscht sind.
00:12:52: Dazu zählt auch dieses Eisarchiv.
00:12:55: Unsere Spuren sind wie der Sand an der Küste des Meeres und das Meer ist dabei, über unsere Spuren hinweg zu schwappen.
00:13:05: Ich denke es ist sehr wichtig, wenn wir unsere Zukunft selbst gestalten wollen diese letzten Archive die es noch gibt gut und weise zu nutzen um eben dieses Wissen über die Reaktion der Ökosysteme, über die reaktion des Naturraums auf Klimaänderungen nicht dem Bach hinunterfließen zu lassen.
00:13:31: Weil das unsere einzige Möglichkeit ist im Zuge des Klimawandels, der ja dabei ist, die Grenzen dessen, dass in den letzten eins, zwei Millionen Jahren vorgekommen ist, zu sprengen.
00:13:46: Wenn wir diese Informationen verlieren, dann fehlt uns auch die Idee wie wir mit zukünftigen Herausforderungen umgehen können.
00:13:56: Welche Management-Maßnahmen welche Anpassungsmaßnahmen wir treffen können weil wer die Reaktion der Systeme nicht mehr
00:14:04: kennen?
00:14:06: Der Eisverlust ist also nicht nur ein wissenschaftliches Problem das halt für Glaciologinnen und Glaciologen bedauerlich Denn diese Daten helfen auch dabei zu verstehen, wie Ökosysteme und Landschaften auf Klimaveränderungen reagieren.
00:14:21: Wenn man über lange Zeiträume beobachten kann – wie sich Wetterlagen, Niederschläge- und Temperaturverhältnisse verändert haben – lassen sich daraus auch Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen ziehen.
00:14:33: Gerade im Alpenraum ist dieses Wissen besonders wichtig!
00:14:37: Viele Bereiche wie Wasserversorgung, Energieproduktion bis hin zur Infrastruktur hängen ja davon ab, wie sich Klima und Landschaft im Gebirge verändern.
00:14:48: Was aktuell auf der Weichsiespitze passiert ist aber leider überall zu beobachten.
00:14:53: Massiver Eisschwund- und Gletscherverlust zeichnet sich in den gesamten Alpen ab.
00:14:58: Neue Prognosen gehen davon aus, dass bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zwischen siebzig und achtzig Prozent der Gletschermassen in Österreich verloren gehen könnten.
00:15:09: Das bedeutet auch viele dieser Eisarchive werden in den kommenden Jahrzehnten verschwinden – nicht nur teilweise sondern vollständig!
00:15:18: Und mit ihnen gehen auch die Informationen verloren, die Sie über Jahrtausende gespeichert
00:15:23: haben.".
00:15:30: Die Zeit drängt also?
00:15:32: Denn es gibt viel zu lernen aus den Eisarchiven.
00:15:35: Gerade die älteren Schichten enthalten Informationen über Klimafasen, die weit vor der Industrialisierung liegen und die wir aus anderen Quellen also aus historischen Aufzeichnungen überhaupt nicht im Detail kennen weil niemand sich für die Verhältnisse Imgebirge interessiert hat und da gab's auch sehr wenig bis gar keine Infrastruktur.
00:15:56: Also niemand hat die Niederschlagsmuster beobachtet und aufgeschrieben.
00:16:01: Besonders interessant sind dabei Zeiträume, in denen sich das Klima deutlich verändert hat.
00:16:07: Etwa wärmere oder trockene Phasen.
00:16:10: Solche Periodenhäfen dabei zu verstehen wie empfindliche Ökosysteme auf Veränderungen reagieren und wie sich Wetterlagen über lange Zeiträumen verschieben können.
00:16:19: Genau das ist ja das Wichtige wenn man heutige Modelle anpassen möchte und Entwicklungen der Zukunft einordnen will.
00:16:27: Doch lässt sich dieses Wissen überhaupt noch retten oder ist es in vielen Fällen bereits zu spät?
00:16:33: Die Antwort darauf ist nicht ganz eindeutig, denn ein Teil der eisigen Archive ist bereits verloren.
00:16:40: Das zeigt die weiße Spitze sehr deutlich!
00:16:43: Doch gleichzeitig versuchen Forschende zumindest das zu sichern was noch vorhanden ist.
00:16:49: Ein wichtiger Schritt dabei ist Eisbaukerne rechtzeitig zu bergen und den speziellen Tiefkülllagern aufzubewahren.
00:16:57: Solche Projekte laufen international schon länger.
00:17:01: Eisarchive werden gezielt konserviert, um sie eben für zukünftige Forschung zu bewahren – selbst dann wenn das ursprüngliche Eis am Berg eigentlich längst verschwunden ist.
00:17:11: Trotzdem bleibt aber der Zeitdruck enorm groß!
00:17:15: Gerade in den Ostalpen ist das Zeitfenster für weitere Bohrungen schon sehr klein
00:17:19: geworden.".
00:17:21: Die Prognosen für die Zukunft der Gletscher sind mehr als düster.
00:17:25: Die Gletscherschmelze ist nur eine von den vielen dramatischen Folgen des menschengemachten Klimawandels.
00:17:32: Trotzdem ist die Gletscherforscherin Andrea Fischer überzeugt,
00:17:36: wir dürfen
00:17:37: angesichts der Klimakrise nicht in Mut verlieren – es gibt nach wie vor viele Handlungsoptionen!
00:17:44: Es geht wirklich darum, dass wir uns die Zukunft schaffen und gemeinsam gestalten.
00:17:50: Es ist nicht aller Tage Abend.
00:17:52: Wir müssen sicherlich etwas tun – wir wissen auch was wir tun können – um diese Welt uns gut zu erhalten.
00:18:00: Und wir haben von den vergangenen Generationen nicht nur dieses Klimaproblem geerbt sondern wir sind an einem guten.
00:18:08: Punkt.
00:18:08: Wir haben Kapital, wir haben das Wissen diese Klimakrise auch zu bewältigen und das unterscheidet uns von den klein-eiszeitlichen Menschen die sehr gelitten haben unter dem damals kälter werden Klimabedingungen und keine Handhabe hatten außer dieser wirkungslose der Hexenverbrennung.
00:18:30: Wir sind hier wirklich auf einem guten Stand und deswegen bin ich sehr zuversichtlich dass wir diese Krise meistern
00:18:36: können.".
00:18:37: Das ist ein sehr wichtiger Punkt, den Andrea Fischer hier anspricht.
00:18:41: Wir wissen ja eigentlich was zu tun ist um die Natur und unsere Lebensgrundlagen bestmöglich zu erhalten.
00:18:48: das ist unser großer Vorteil gegenüber den Menschen in früheren Zeiten.
00:18:53: wir haben jede Menge Optionen.
00:18:55: Die Verfolgung von Frauen als Hexen gehört nicht dazu!
00:18:59: Wir haben jetzt über Eisbordkerne Klimaarchive- und Umweltgeschichte gesprochen.
00:19:04: Wichtig sind natürlich aber auch die Menschen, die hinter dieser Forschung stehen.
00:19:08: Andrea Fischer ist die bekannteste Glatziologin Österreichs und wurde in den Jahren des Jahres auch zu Wissenschaftlerinnen gewählt.
00:19:18: Sind die Zeiten, in denen Gletscherforschung vor allem eine Männerdomäne war, inzwischen endlich vorbei?
00:19:26: Ich habe das große Glück gehabt, dass ich immer mit Spaß forschen durfte.
00:19:34: Keine großen Hürden hatte ich, war immer einem sehr guten Team aufgehoben.
00:19:39: Die Kollegen in der Glatziologie sind auch sehr aufgeschlossen gewesen – früher schon!
00:19:47: Weil die Glatzilogie ein Fach ist wo es sehr stark nicht nur um diese Fähigkeit zu abstrahieren geht sondern man isst auch viel gemeinsam im Feld gemeinsam am Berg.
00:20:01: Und hier gibt es eine sehr gute Verbindung zwischen den einzelnen Menschen, die in diesem Fach tätig sind und ich freue mich auch heute also ich denke das spricht jetzt für mein Fach und für die Stimmung im fach dass wir sehr viel weiblichen Nachrucks haben dass Teams keine Geschlechterdifferenzen spürbar sind.
00:20:26: Hier geht es wirklich um den Menschen und nicht um das Geschlecht, und das freut mich sehr, dass ich das heute so sagen
00:20:34: kann.".
00:20:35: Was dabei natürlich eine Rolle spielt ist auch die Frage wie sich wissenschaftliche Arbeit konkret organisieren lässt?
00:20:42: Gerade auch in einem Feld, das viel Zeit im Gelände erfordert wie die Gletscherforschung.
00:20:47: Also auf Expeditionen wo man Tage oder Wochen am Berg verbringt.
00:20:52: Andrea Fischer beschreibt es weniger als grundsätzliches Problem sondern eher als Frage wie flexibel Wissenschaft gestaltet ist und wo vielleicht auch manchmal unnötiger Druck entsteht.
00:21:04: Ich habe einige Kolleginnen und Kollegen die Familie haben.
00:21:08: In der Zeit wo die Kinder klein sind muss man eben vielleicht oder möchte man.
00:21:15: Ich denke es ist ja auch ein... Geschenk mehr Zeit mit Familie verbringen zu dürfen.
00:21:20: Das heißt hier nicht, dass man nicht mehr forschen kann.
00:21:23: Ich denke der Druck im wissenschaftlichen Flaschenhals ist so groß geworden das man über sieht, dass Forschen nicht heißt die ganze Zeit nur in der Weltgeschichte herumzufahren.
00:21:38: und wenn man hier ein wenig reduziert muss es nicht zulasten des wissenschaftlichem Outputs gehen weil Paperschreiben kann man sehr gut auch mit Kindern, die sind auch in der Schule und müssen dort auch etwas arbeiten.
00:21:55: Und dann muss man auch – hier hat die Pandemie schon sehr viel Bewegung geholfen – nicht mehr so viel herumfahren.
00:22:05: ein großer Teil der Meetings kann auch online durchgeführt werden.
00:22:10: Die Wissenschaft verändert sich, auch in der Art wie geforscht wird und unter welchen Bedingungen.
00:22:15: Zum Glück!
00:22:17: Im Falle der Gletscherforschung passiert das während gleichzeitig ihr wichtigster Untersuchungsgegenstand immer mehr verschwindet.
00:22:25: Dass es aber trotzdem oder gerade deshalb noch enorm viel zu tun gibt für die Garziologie hat mir Andrea Fischer heute sehr eindrucksvoll klargemacht.
00:22:35: Für heute sagen wir Danke fürs Zuhören
00:22:37: Und wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid.
00:22:41: Jeden zweiten Mittwoch überall, wo es Podcast gibt!
00:22:44: Ich bin David Renert und ich
00:22:45: bin Tanja Draxler.
00:22:47: Diese Folge wurde von Christoph Neuwirt, Antonia Raut und Daniel Retschitz-Ecker produziert.
00:22:53: Bis zum nächsten Mal.
00:22:54: Bis dann...
00:22:57: Unsere Spuren sind wie der Sand an der Küste des Meeres und das Meer ist dabei, über unsere Spuren hinweg zu schwappen.
00:23:07: Ich denke es ist sehr wichtig wenn wir unsere Zukunft selbst gestalten wollen diese letzten Archive die es noch gibt gut und weise zu nutzen.