Rätsel der Wissenschaft

Rätsel der Wissenschaft

Der STANDARD-Podcast über die ungeklärten Fragen der Menschheit

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00:00:03: Dieser Podcast ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.

00:00:12: Die redaktionelle Verantwortung liegt beim Standard.

00:00:15: Sie isst winzig klein kann aber gefährlich werden.

00:00:18: die asiatische Tigermücke denn sie überträgt unter anderem das Schikongunia-Virus!

00:00:34: Willkommen bei Inside Science – dem Standardpodcast über die großen Fragen der Menschheit.

00:00:40: Ich bin David Renert

00:00:41: Und ich bin Tanja Praxler.

00:00:43: Wir beschäftigen uns jeden zweiten Mittwoch mit den ganz großen und ganz kleinen Mysterien in unserem Universum.

00:00:50: Der Frühling ist da, und mit ihm auch die ersten Stechmücken.

00:00:54: Unter die altbekannten einheimischen Plagegeister mischen sich immer öfter auch neue Arten – eingeschleppte Arten, die mit untergefährliche Krankheiten übertragen können.

00:01:05: Wie groß ist dieses Problem in Österreich bereits?

00:01:08: Und lässt sich etwas dagegen

00:01:10: tun?

00:01:11: Der Winter ist endlich vorbei.

00:01:13: Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen – die Natur erwacht zu voller Blüte!

00:01:19: Ich liebe den Frühlingjahr aber mit Ausnahmen, denn die ersten Stechmücken, die in Österreich meist Gelsen genannt werden sind nämlich auch schon wieder da.

00:01:29: In Österreich surren rund fünfzig heimische Gelsennarten auf der Suche nach Blutnahrung durch die Gegend — die meisten davon sieht man aber kaum.

00:01:40: Sie sind selten und kommen nur in speziellen Lebensräumen vor.

00:01:44: Die allermeisten Stiche, die wir Menschen so erleiden, kommen nur von einer handvoll sehr anpassungsfähigen Arten allen voran die gemeine Hausmücke.

00:01:54: Und sie ist wirklich gemein?

00:01:56: Ja allerdings!

00:01:58: Seit einigen Jahren tauchen aber gerade in größeren Städten immer häufiger neue Arten auf.

00:02:05: In Wien, in Grat, inzwischen auch in Linz werden immer öfter eingeschleipte Stechmücken beobachtet.

00:02:12: Baten, die eigentlich aus tropischen oder subtropischen Regionen stammen und durch menschliche Aktivitäten nach Europa gelangt sind – und das ist inzwischen eigentlich kein Randphänomien mehr sondern etwas da sich sehr konkret schon niederschlägt.

00:02:27: Die Österreichische Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit, kurz AGES betreibt seit Jahren ein eigenes Monitoring Programm um genau diese Entwicklung zu beobachten.

00:02:38: Welche Stechmückenarten kommen in Österreich vor und wie verändert sich ihre Verbreitung?

00:02:44: Dabei werden sogenannte Ovidraps eingesetzt, das in eigenliege Fallen mit denen sich sehr gezielt nachweisen lässt.

00:02:52: Welche Arten sich in einer Region tatsächlich

00:02:54: fortpflanzen?".

00:02:56: Und diese Daten zeigen ziemlich klar es geht längst nicht mehr um einzelne Zufallsfunde sondern eingeschleppte Arten bilden in manchen Regionen bereits stabile Populationen, die sich weiter ausbreiten.

00:03:09: Besonders auffällig ist dabei die asiatische Tigermücke.

00:03:14: Sie ist inzwischen in großen Teilen von Wien, Graz und Linz dauerhaft etabliert und kommt lokal auch in größerer Zahl vor.

00:03:22: Gleichzeitig hat ihre räumliche Ausbreitung in diesen Städten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

00:03:29: Das heißt, diese Art ist nicht nur in Österreich angekommen.

00:03:33: Sie ist auch dabei sich Schritt für Schritt weiter auszubreiten und damit ist sie auch nicht allein!

00:03:39: Die japanische Buschmücke ist eine weitere eingeschleppte Art die sich inzwischen bei uns festgesetzt hat.

00:03:46: Sie sind mittlerweile in allen Bundesländern nachgewiesen und gilt also weit verbreitet dass sie nicht mehr verschwinden wird.

00:03:53: Und es gibt noch eine dritte Art die in Österreich langsam an Relevanz gewinnt.

00:03:58: Das ist die koreanische Buschmücke, die taucht bislang aber nur vereinzelt auf.

00:04:03: Das könnte sich aber aufgrund ähnlicher klimatischer Ansprüche wie die beiden vorher genannten Arten, das könnte sich künftig ebenfalls ändern – auch die korea- nische Busschmücke dürfte sich weiter

00:04:15: ausbreiten.".

00:04:16: Und das ist ganz und gar keine gute Nachricht!

00:04:18: Denn Stechmücken sind nicht nur lästig... Sie gehören weltweit zu den wichtigsten Überträgern von Krankheiten.

00:04:26: Und genau deshalb stellt sich die Frage, was passiert wenn Arten, die bisher vor allem in anderen Klimazonen vorgekommen sind plötzlich auch hier bei uns heimisch werden?

00:04:37: Wie groß ist das Risiko und wie schnell passiert so eine Ausbreitung?

00:04:42: Mit genau diesen Fragen hat sich kürzlich ein internationales Forschungsteam beschäftigt an dem auch der Ökologe Franz Essel von der Universität Wien beteiligt war.

00:04:52: Und die Ergebnisse zeigen, was wir in Österreich beobachten ist Teil einer viel größeren, einer globalen Entwicklung.

00:05:00: wie das Forschungsteam vor einigen Monaten im Farschernal Nature Communications berichtet hat wurden weltweit bisher forty-fünf Arten von Stechmücken, die Krankheiten übertragen können, in neue Regionen eingeschleppt und mehr als die Hälfte davon nämlich achtundzwanzig Arten, haben es geschafft sich in den neuen Gebieten auch wirklich dauerhaft anzusiedeln.

00:05:22: Das bedeutet sie haben so stabile Populationen aufgebaut dass Sie sich selbst erhalten können sagt Franz Essel.

00:05:30: Uns hat interessiert wie schaut's aus mit der Ausbreitung von nichtheimischen gelsen Arten?

00:05:36: Moskitoarten.

00:05:37: dazu war grundsätzlich klar das sich das in den letzten Jahren Jahrzehnten deutlich beschleunigt hat wirklich wichtiges Phänomen geworden ist.

00:05:46: Was es aber bislang nicht gegeben hat, war eine globale Zusammenscheune Synthese.

00:05:50: Das heißt wir haben eine Datenbank aufgebaut und das war auch die Hauptarbeit dieses Artikels in dem wir von allen Ländern wo solche Daten vorliegen also letztlich weltweit geschaut haben.

00:06:00: welche Arten an den eingeschleppten Gelsen gibt es in diesen Ländern?

00:06:05: Wann wurden sie eingeschlappt?

00:06:06: wie häufig sind sie geworden?

00:06:08: und haben dann noch mit weiteren Informationen etwa in welchen Ursprungsgebieten waren die Gelsenhämisch dann verschiedene Muster uns angeschaut, nämlich einerseits wie es die räumliche Dynamik, das heißt woher kommen die Arten?

00:06:19: Was sind die häufigsten Gelsenarten weltweit eingeschleppt werden.

00:06:23: Wohin werden sie eingeschlappt?

00:06:25: und durch auch besonders relevant ist es in Trende in den letzten Jahrzehnten und Jahren zugenommen hat gleich geblieben oder abgenommen

00:06:31: hat.".

00:06:32: Das Ergebnis ist eindeutig und gerade auch mit Blick auf die zeitliche Entwicklung beunruhigend.

00:06:38: Ja, es ist tatsächlich so dass in den letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahren die Kurve wirklich steil nach oben geht.

00:06:43: Nämlich die Kurven an neu nachgewiesenen Arten.

00:06:46: Ich nehme das Beispiel Österreich.

00:06:48: In Österreich gibt es drei Arten an nicht heimischen Gelsenarten.

00:06:51: Den allseits bekannten Tiger Moskito, die japanische Buschmücke und neuerdings auch noch eine dritte Art die koreanische Buschemücke Und das zeigt schon sehr gut diese rasche Dynamik.

00:07:01: wenn mich alle.

00:07:01: diese drei Arte wurden erst in den Letzten fünfzehn Jahre in österreich nachgewiesen.

00:07:05: Und das ist auch weltweit ganz ähnlich.

00:07:07: Wie gelangen diese Arten überhaupt nach Europa und nach Österreich?

00:07:11: Und wie gefährlich sind sie wirklich?

00:07:25: Erschreckern ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich Arten in neuen Gebieten verbreiten.

00:07:30: Die hat konkrete Ursachen!

00:07:33: Die Hauptursache ist das Zusammenspiel zweier Faktoren.

00:07:37: Der Klimawandel fördert die Ausbreitung dieser oft sehr wärmeliebenden Arten.

00:07:42: In Mitteleuropa war es bis vor kurzem einfach zu kalt für eine Überwinterung solcher Arten über den Winter.

00:07:49: Aber mittlerweile geht das!

00:07:51: Und der zweite Faktor ist, dass wir in einer stark vernetzt globalisierten Welt leben – Es gibt Handelsbeziehungen in einer Intensität, wie sie vorher noch nie gegeben hat und das erleichtert kleinen unauffälligen Arten wie im Moskitos auch in weit entfernte neue Gebiete zu kommen.

00:08:11: Es sind jetzt nicht unbedingt die ausgewachsenen Tiere, die solche weiten Reisen antreten sondern eher ihre Eier oder Larven.

00:08:19: Die sind winzig oft extrem widerstandsfähig und sie brauchen nur kleinste Mengen Wasser um zu überleben.

00:08:27: Genau das macht sie eben zu idealen Begleitern in einer globalisierten Welt in der ständig Dinge von A nach B transportiert werden – oft unter Bedingungen, die gerade für die frühen Entwicklungsstadien von Mücken überraschend gut geeignet.

00:08:41: Und einmal angekommen finden die Insekten vor allem in Städten, in urbanen Räumen oft auch sehr günstige Lebensbedingungen vor um sich dort weiter zu etabliern.

00:08:52: Sie kommen als blinde Passagiere nach Österreich das wissen wir.

00:08:56: der Einzelnachweis ist in den Regeln natürlich schwierig aber es ist bekannt gerade beim Tiger Moskito dass der einerseits sehr eng an uns Menschen angepasst ist.

00:09:04: er kommt auch in österreich nicht sozusagen in den Aullandschaften vor womit menschlich häufig Moskitos oder Gelsen verbinden nämlich Aufwälder nach Überflutungen und dann wird von Gelsen gepiesagt.

00:09:14: Ja, das stimmt aber die sind heimische Gelsennarten!

00:09:17: Der Tiger-Moskito ist eine urbane Art geworden weil er sehr gut mit kleinen Wasseransammlungen zu reich kommt und da hat der ganze niedrige Ansprüche an seinen Lebensraum zum Beispiel Wassertonnen ähnliches dass man auch in Gärten überall findet.

00:09:32: Das Bord kann er innerhalb von zwei drei Wochen wenn das Wetter warm ist seine Lavalentwicklung bis zum adulten Tier durchmachen und so wieder häufig verbreitet etwa mit Pflanzen, Schnittblumen und ähnliches die in Wasseransammlungen transportiert werden.

00:09:46: Legendär ist doch die Verschleppung mit alten Reifen, die auch über Ländergrenzen immer wieder gehandelt werden und dort gibt es häufig Wassereinsammlungen.

00:09:55: Und diese kleinen temporären kurzlebigen Wasserensammlungen genügend durchaus um Eipakete zu verschleppen muss denen sich dann Larven entwickeln können oder Larven zu verschlappen muss ihnen sich dann erwachsene Tiere entwickeln kann und auch so ist der Arzt sicher nach Österreich gelangt.

00:10:10: Wie schon erwähnt führt die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit seit Jahren ein Gelsen-Monitoring durch, um eben die Ausbreitung neuer Arten zu dokumentieren.

00:10:21: Das zeigt die Entwicklung sehr klar, wie Franz Essel beschrieben hat – im Moment konzentrieren sich neue Arten vor allem auf die Städte also genau dort wo viele Menschen leben.

00:10:32: Gleichzeitig gibt es aber auch Regionen in denen sie noch kaum vorkommen!

00:10:37: Was wir heute wissen, ist dass der Tiger-Moskito am Anfang noch ganz selten war in den großen Städten etwa in Wien, in Graz aber auch in Linz.

00:10:44: Ein fester Bestandteil der urbanen Fauna geworden ist also tatsächlich einigermaßen häufig.

00:10:49: mittlerweile Aber immernoch beschränkt es auf diese überbahnen Ballungszentren.

00:10:54: In höheren Gebirgslagen oder auch in den Alpenthelern fehlen diese Arten nahezu vollständig.

00:10:59: Aber auch das kann sich mit Klimawandel natürlich weiter verändern.

00:11:03: Kälsen sind nie wirklich angenehm, außer vielleicht für Schwalben oder Libellen oder Spinnern oder Frösche oder andere Tiere die diese Insekten gerne snacken.

00:11:12: Aber besonders unangenehm können neu eingewanderte Stechmückenarten dann werden wenn sie Krankheiten übertragen, die man bisher eher aus tropischen Regionen kennt Malaria Dengefieber das West-Nil-Virus Zika Cikungunya.

00:11:28: Das sind Krankheiten, die in Europa lange Zeit kaum relevant gewesen sind.

00:11:32: Sie galten vor allem eben als Reiseerkrankungen, also etwas das man sich mit Pech im Urlaub oder bei Reisen einfängt aber nicht zu Hause.

00:11:41: Doch das beginnt sich leider zu ändern!

00:11:44: In Südeuropa in Italien und in Teilen Frankreichs gab es in den vergangenen Jahren immer wieder lokale Ausbrüche von Dengefieber.

00:11:52: Das bedeutet Menschen haben sich dort infiziert ohne zuvor verreist zu sein.

00:11:57: Die Übertragung ist also direkt vor Ort passiert.

00:12:01: Im Vorjahr gab es in Europa schon mehrere hundert Infektionen mit Denken, dass auch schwer zu behandeln ist.

00:12:09: In Italien sind zwölf Menschen rangestorben.

00:12:13: Steht Österreich also vor einer ähnlichen Entwicklung?

00:12:15: Um das einschätzen zu können lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Daten der Agis.

00:12:21: Die Bundesagentur beobachtet nicht nur die Verbreitung neuer Stechmückenarten sondern sie untersucht auch ob Krankheitserreger in den Insekten vorkommen gefunden werden.

00:12:32: Im Jahr twenty-fünfundzwanzig wurden dafür an duzenten Standorten im ganzen Land regelmäßig Mücken gesammelt und auf Erreger untersucht, insgesamt wurden mehr als sechstausend Analysen

00:12:42: durchgeführt.".

00:12:43: Das Ergebnis ist zunächst einmal beruhigend – in keiner der Untersuchten Proben konnte ein gefährlicher Erregar nachgewiesen werden.

00:12:51: Gleichzeitig zeigen die Daten aber auch wie dynamisch die Entwicklung ist!

00:12:56: Die Zahl der gefangenen Mücken war im Jahr insgesamt deutlich geringer als in den Jahren davor, vor allem wegen trockener und für viele Arten ungünstiger Witterungsbedingungen.

00:13:10: Das bedeutet solche Ergebnisse sind immer Momentaufnahmen.

00:13:13: sie zeigen wie die Situation aktuell ist aber sie sagen uns nicht unbedingt wie es sich in Zukunft entwickeln wird.

00:13:22: In Österreich gab es bisher nur einzelne Fälle an Dänger die in der Regel oder eigentlich ausschließlich so weit man das weiß von Reiserückgärern kamen.

00:13:30: Etwa von Urlaubern, die in Italien oder in anderen Regionen alles Dinge gibt, infiziert wurden und nach Österreich wieder zurückgekommen sind.

00:13:37: Was es aber auch zeigt ist das Risiko der Einschleppung und doch der dauerhaften etablierung dieser Krankheit auch in Österreich gegeben ist.

00:13:44: Der Vektor, der Überträger, der Tigermoskitu ist mittlerweile da wird häufiger in den Städten und mit der Einschläpfung des Viruses, dass das Krankheitsbild verursacht, wird es auch wahrscheinlicher, dass irgendwann nicht mehr nur Eingeschleppte Fälle zu Österreich kommen als Krankheiten, sondern auch tatsächlich ein Reservoir in Österreich.

00:14:04: Ein Autochtones-Reservoir an Vierendpopulationen die innerhalb dieser Moskitoad zirkulieren entsteht und das würde nicht massiv die Risiken der gesundheitlichen erhöhen.

00:14:15: Dürfen wir nach dem letzten kalten Winter wieder auf eine kleinere Population dieser Gelsen hoffen?

00:14:21: Und lässt sich die Ausbreitung gefährlicher Moskitos überhaupt aktiv verhindern?

00:14:38: Wärmeliebene stechwütige Insekten hatten ihnen vergangenen Monaten in Österreich vielleicht nicht die beste Zeit.

00:14:45: Der Winter erschien gefühlt ja doch recht kalt, zumindest kälter als in den Jahren zuvor.

00:14:51: Aber genau da zeigt sich ein Unterschied zwischen Wahrnehmung und Daten.

00:14:57: Einzelne kalte Phasen oder auch einen insgesamt kühleren Eindruck sagen noch nicht viel darüber aus ob ein Winter für diese Arten tatsächlich problematisch ist.

00:15:07: Entscheidend ist, wie Temperaturen über längere Zeiträume hinweg verlaufen.

00:15:13: Und wenn man sich das jetzt für Österreich anschaut dann zeigt sich doch ein bisschen ein anderes Bild.

00:15:19: auch der vergangene Winter war nämlich im längerjährigen Durchschnitt nicht besonders kalt sondern insgesamt auf einem relativ milden Niveau.

00:15:27: Für viele dieser eingeschleppten Arten ist es bereits ausreichend um zu überleben sagt der Ökologe Franz Essel.

00:15:34: Der Eindruck dass er relativ kalt war Stimmt nur, wenn man diesen Winter mit den Winter der letzten drei fünf Jahre vergleicht.

00:15:41: In einem längerjährigen Durchschnitt etwa in dem durchschnittlichen Winter in den neunzig oder achtziger Jahren war um mehrere Grad zu warm.

00:15:48: Einzig im Jänner gab es eine längere Periode die normal kühl war wie ein winter eben früher war.

00:15:53: Dezember und Februar waren weit aus zumild.

00:15:56: Ja das war etwas kühler.

00:15:57: Das mag möglicherweise für manche dieser Vorkommen etwa dieser wärmelivenden Moskitoarten Eine gewisse Telle mit sich bringen.

00:16:04: heuer Aber ich würde nicht von einem starken Zurückdrängen ausgehen.

00:16:08: Und das zeigt, dass sich auch schon in den nächsten Wochen und Monaten wieder umkehren kann, indem sehr günstige Entwicklungsbedingungen für diese wärmeliebenden Arten in Österreich sind.

00:16:16: Die globale Erwärmung fördert die Ausbreitung dieser Arten tatsächlich wirklich

00:16:18: deutlich.".

00:16:19: Wir dürfen also nicht damit rechnen, diese Insekten einfach wieder loszuwerden!

00:16:24: Deshalb stellt sich die Frage – lässt sich die Ausreitung von krankheitsübertragendem Moskitus überhaupt irgendwie eindämmen?

00:16:33: Wenn sich eine invasive Art einmal großflächig etabliert hat, lässt sie sich in der Regel nicht mehr vollständig entfernen.

00:16:41: Das gilt nicht nur für Stechmücken aber eben auch für Sie und in Österreich sind der Tiger Moskito und die japanische Buschmücke mittlerweile so weit verbreitet dass eine Ausrottung praktisch ausgeschlossen ist.

00:16:57: das bedeutet aber nicht dass man gar nichts tun kann.

00:17:01: Man kann versuchen, die Ausbreitung immerhin zu verlangsamen und neue Einschleppungen möglichst zu verhindern.

00:17:08: Ein wichtiger Ansatzpunkt dabei ist der internationale Handel.

00:17:12: Viele eingeschleppte Arten werden ja unbeabsichtigt mit transportiert – etwa in gebrauchten Autoreifen oder im Wasser das beim Transport vom Pflanzen mitgeführt wird.

00:17:21: Genau hier setzen auch Empfehlungen aus der Forschung an.

00:17:25: Bessere Kontrollen und ein stärkeres Bewusstsein für diese Transportwege würden schon einen Unterschied machen.

00:17:32: Gleichzeitig muss man aber realistisch bleiben, gerade das ist ein Bereich der extrem schwer zu regulieren und auch zu kontrollieren ist weil er global funktioniert und einfach so viele unterschiedliche Akteure beteiligt

00:17:44: sind.".

00:17:45: Und deswegen spielt auch das Monitoring so eine wichtige Rolle.

00:17:49: in Österreich wird systematisch erfasst wo invasive Arten vorkommen und wie sich ihre Verbreitung verändert.

00:17:56: Diese Daten sind entscheidend, um früh zu erkennen wo sich neue Populationen bilden und wo gezielte Maßnahmen noch möglich sind.

00:18:06: Hier kommt inzwischen auch ein Ansatz dazu der eine Forschung immer wichtiger wird nämlich Citizen Science.

00:18:12: In Österreich können Bürgerinnen und Bürger Beobachtungen von Stechmücken melden.

00:18:17: dafür gibt es eine eigene App namens Mosquito Alert.

00:18:21: sieht man jetzt ein verdächtiges Insekt im Garten zum Beispiel oder sonstwo kann man sehr einfach und anonym Fotos davon hochladen und Fundorte dokumentieren.

00:18:30: Diese Daten werden dann von Fachleuten überprüft und fließen in die Wissenschaft ein, das erweitert die Datengrundlage enorm weil viel mehr Regionen abgedeckt werden können als mit dem klassischen Monitoring-Programmen und es ist auch für die Teilnehmenden selbst interessant.

00:18:48: Man erhält nämlich für jede Meldung wirklich auch Rückmeldungen von Experten und erfährt, ob das jetzt zum Beispiel wirklich ein Tiger-Mosquito war oder eine Buschmücke.

00:18:57: Oder doch nur einen gewöhnlichen Plagegeist.

00:19:01: Es sei dazu gesagt es gibt nämlich schon heimische Gelsen die dem Tiger Moskito gar nicht so unähnlich sehen.

00:19:08: Aber zurück zu den Maßnahmen mit denen sich die Ausbreitung der Mücken zumindest bremsen lässt.

00:19:14: Im Fall der Tiger-Moskitos ist die Stadt Graz ein gutes Beispiel dafür.

00:19:19: Dort wird versucht, die Population des Moskitos gezielt zu reduzieren, erzählt Franz Essel.

00:19:25: In Graz gibt es in der Innenstadt tatsächlich schon eine größere Population.

00:19:28: das Tiger- Moskitus und die Stadt Grad hat im letzten Jahr etwa achthunderttausend, also eine wirklich große Menge an Tiger-Muskito-Männchen freigesetzt.

00:19:38: aber das ist der wichtige Punkt an sterilen Tigermoskito Männchen.

00:19:43: Die wurden vorher bestrahlt und sind damit unfruchtbar.

00:19:47: Und mit dieser massiven Freisetzung am Männchen möchte man verhindern, dass Vertiele, d.h.

00:19:53: auch schlupfwege Eier abgelegt werden und damit die Population wieder stark nach unten geht.

00:19:59: Das ist eine Methode wie meine Städte den Tigermosketo tatsächlich zurück drängen kann und das noch etwas früh – das war der letzten August durchgeführt.

00:20:06: Erste Hinweise gibt es, dass die Population aber wirklich stark zurück gegangen ist.

00:20:10: Begleitet wird diese Maßnahme in Graz auch von einer Informationskampagne, wie kleine einfache Dinge ebenfalls dabei helfen können die Ausbreitung der Insekten einzudämmen.

00:20:21: Offenes Wasser vermeiden Gefäße im Garten regelmäßig ausleeren sichtbare Brutstätten beseitigen das sind jetzt keine spektakulären Lösungen aber auch sie helfen dabei die Vermehrung der Mücken immerhin zu reduzieren.

00:20:35: Und jetzt machen wir noch einen thematischen Schritt weg von den Mücken und hin zur Wissenschaft selbst.

00:20:41: Gerade in der Biodiversitäts- und Klimaforschung geht es oft darum, sich mit Prozessen zu beschäftigen die sich über viele Jahre oder Jahrzehnte entwickeln und deren Auswirkungen erst langsam greifbar werden.

00:20:56: Gleichzeitig sind das Themen, die gesellschaftlich wichtig und zunehmend auch politisch diskutiert werden.

00:21:03: Wir haben Franz Essel daher gefragt, wie es eigentlich ist in diesem Spannungsfeld zu arbeiten und wie es um die Vereinbarkeit einer wissenschaftlichen Laufbahn mit Familie steht.

00:21:15: Der akademische Bereich ist einerseits gekennzeichnet durch längere Phasen der Unsicherheit.

00:21:20: Es gibt nur beschränkte Anzahl an permanenten Stellen und bis dorthin ist ein Charakteristikum des akademischen Bereichs schwierige langfristige Planbarkeit.

00:21:30: Und ein zweiter wichtiger Punkt, es ist auch ein kompetitives Umfeld.

00:21:35: Es gibt deutlich mehr sehr gute Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen als es dauerhafte Stellen im akademischen Bereich gibt.

00:21:42: Das ist ein Umfeld das mit Familienplanung nicht unbedingt immer einfach zu vereinbaren war.

00:21:48: Hinzu kommen auch, würde ich mal sagen dazu gibt's ja doch viele Belege auch klare strukturelle Faktoren die gleiche Chancen für alle nicht immer gewährleistet haben.

00:21:58: Und das bedeutet auch im konkreten Fall, dass es für Frauen in vielen Fällen gerade im naturwissenschaftlichen Bereich schwieriger war sich durchzusetzen.

00:22:06: Hat sich da wenigstens etwas gebessert?

00:22:09: Das ändert sich schon deutlich würde ich sagen.

00:22:12: Es ist heute viel stärker ein klares Bewusstsein also auch aus wissenschaftlicher Sicht aber auch aus Fairnessgründen in einer Gesellschaft ganz wichtig ist, dass alle gleiche Chancen haben.

00:22:22: Dass es möglich sein muss privates Leben und dazu gehört auch Familie und Arbeit gut zu vereinbaren.

00:22:28: Und das hat sich schon auch deutlich verändert in meiner Wahrnehmung für den Wissenschaftsbereich, für den ich sprechen kann.

00:22:34: Ein anderes Thema ist der öffentliche Diskurs.

00:22:37: Gerade bei der Klima- und Umweltforschung werden wissenschaftliche Positionen ja oft auch angefeindet.

00:22:43: Wie geht man damit um?

00:22:45: Ich glaube jeden unter jeder ist klar dass wir in einer gesellschaftlichen Situation legen die sich deutlich verändert hat.

00:22:51: Diskurse wurden deutlich polarisierter.

00:22:54: So weitest Diskurze sind ja auch soziale Medien.

00:22:57: einbeziehen haben sich auch extremere Meinungen unterschiedliche und auch häufig nicht mehr auf ausgleichbetachte Meinungen viel stärker durchgesetzt, also eine gesellschaftlich demokratiepolitisch sehr unangenehme und auch gefährliche Entwicklung in meinen Augen.

00:23:10: Das betrifft auch Akteure etwa Wissenschaftlerinnen die sich zu gesellschaftlichen wichtigen Themen etwa Klima- und Umweltthemen äußern.

00:23:17: Und daher muss man sich auch sehr klar sein wenn ich diesen Schritt mache und mich auch zur gesellschaftischen Fragen positioniere dass ich dann in diesem Diskursumfeld ein Akteur bin oder eine Akteerin.

00:23:30: Umso wichtiger ist es, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht darin beirren lassen die Ergebnisse ihrer Arbeit auch zu kommunizieren – auch wenn es unangenehme Reaktionen geben kann, denen Forscherinnen noch öfter ausgesetzt sind als ihre männlichen Kollegen.

00:23:48: Für heute sagen wir Danke fürs Zuhören!

00:23:51: Und wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder dabei seid!

00:23:57: Ich bin David Renert

00:23:59: und ich bin Tanja Praxler.

00:24:00: Diese Folge wurde von Christoph Neuwiert produziert!

00:24:03: Bis

00:24:03: zum nächsten Mal, bis dann!